Die Fächersprache

Langweilte sich eine unternehmungslustige Dame in einer Gesellschaft, signalisierte sie, daß sie Bekanntschaft suche.

Sie hält den geöffneten Fächer in der linken Hand halb vor das Gesicht und fächelt sich zu, d. h. komm zu mir.

 Hat sie einen Herrn entdeckt, der ihr gefällt, so übermittelt sie ihm: Komm und unterhalte Dich mit mir.

Sie trägt dann den Fächer geöffnet in der linken Hand und winkt dem Herrn unmerklich zu.
 
Ist sie dann in Leidenschaft zu ihm entbrannt, sagt sie ihm: Ich liebe Dich!
Fächer geöffnet mit der linken Hand über die Wange gleiten lassen.
 
Ist sie sich nicht sicher, ob der Herr ihre Gefühle erwidert, fragt sie ihn: Liebst Du mich?
Fragend über den geschlossenen Fächer schauend.
 
Ist die Antwort nein und die Dame enttäuscht, bittet sie sich aus, in Ruhe gelassen zu werden.
Geschlossen an das linke Ohr haltend
 
oder aber, da Liebe und Haß eng beieinander liegen, bedeutet sie ihm, daß sie ihn ab sofort haßt.
Sie zieht den Fächer mit kurzen Schlägen mehrfach durch die Hand.
 
Stellt der Herr ihr Fragen, so beantwortet sie diese mit ja, indem sie den geschlossenen Fächer an die rechte Wange hält,
mit nein, wenn er an der linken Wange ruht.
Hat sie etwas getan, was ihren Kavalier geärgert hat, bittet sie ihn um Verzeihung.
Den geöffneten Fächer vor dem Gesicht nach rechts und links hin- und herbewegen.
 
Entspricht er ihrer Bitte nicht und verhält sich weiter abweisend, so öffnet und schließt sie ihren Fächer und bedeutet ihm damit:
Du bist grausam.
 
Wirbt ein Mann um sie, der ihr nicht gefällt, zerstört sie seine Hoffnung, indem sie sagt: Ich liebe einen anderen.
Mit der rechten Hand halb geöffnet flattern lassen.
 
oder
 
Sie bedeutet ihm, ich bin verheiratet.
Den geöffneten Fächer in der linken Hand langsam zu sich hin- und herbewegen, dabei enttäuscht schauend.
 
Bemerkt die Dame, daß ihr tête à tête beobachtet wird, warnt sie ihren Kavalier.
Fächer in der rechten Hand wirbeln lassen und in die bewußte Richtung schauend
 
und bittet ihn dann in eine stille Ecke zu einem Gespräch unter vier Augen.
Fächer geöffnet haltend und mit zwei Fingern am oberen Rand entlangfahrend.
 
Erwartet die Dame den Herrn am Abend, so schaut sie über den geöffneten Fächer hinweg und teilt ihm die Stunde des Stelldicheins mit, indem sie mit dem Finger die entsprechende Anzahl der Falten antippt.
 
Hat die Dame den Herrn ihrer Wahl gefunden, legt sie den geschlossenen Fächer an ihre Lippen und bedeutet ihm damit:
Küß mich, aber, bitte, nicht hier.
Sie hält den geöffneten Fächer in der rechten Hand vor dem Gesicht und im Herausgehen winkt sie ihm: Folge mir!

Durch den im 16. Jahrhundert florierenden portugiesischen Handel mit Ostasien gelangte der Fächer neben Gewürzen und anderen fernöstlichen Waren nach Europa. Der Handel mit diesem neuen Nutzinstrument begann zu erblühen und durch eine immer größere Nachfrage entstanden eigene europäische Produktionen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Handwerk des Fächermachers anerkannt und der Zusammenschluss in eigene Fächerzünfte ließ nicht lange auf sich warten. Der Siegeszug durch Europa begann.

 

Nicht nur die kostbaren Materialen, wie Perlmutt, Elfenbein, Edelstein oder Blattgold, die vor allem während des Rokoko, der ersten großen Blütezeit verwendet wurden, machten den Fächer unersetzlich, sondern auch seine Nützlichkeit innerhalb des gesellschaftlichen Lebens. Die strengen Regeln und Verbote mit denen sich die jungen Adligen und später dann auch die bürgerlichen Damen konfrontiert sahen, waren mit der Erfindung der Fächersprache ausradiert. Endlich konnte man sich seinem Verehrer oder Auserwählten mit lautlosen Botschaften in charismatischer Form nähern.

 

Die Zeit der Heimlichkeiten unter den Geliebten war dahin, die Zeit des Fächers passé. Natürlich findet man ihn heute noch, doch dann meist als Souvenir, in Spanien gern mit Flamenco- und Toreromotiv, als Filmrequisite oder bei traditionellen Festen. Damit die Sprache dieses wunderbaren Instruments nicht ganz verloren geht, hier nun die wichtigsten Formeln der Liebe und vielleicht findet sich jemand der die lautlosen Worte erwidern kann.

 Die Fächersprache entwickelte sich bereits im 17. Jahrhundert in Spanien und wurde in den anderen europäischen Ländern begeistert aufgenommen. In London und Paris sollen sich sogar Fächerakademien herausgebildet haben, um die Damen und Herren das gehauchte Handwerk zu lehren.

Aller Liebeserklärungen zum Trotz hielt sich die Bedeutung des Fächers nur bis zum Ende des 2. Weltkrieges

 


 

quelle:http://www.caiman.de/amor/faecher/faecherdt.shtml