Die als Wilder Westen bezeichnete Ära war durch eine Aufbruchsstimmung gekennzeichnet, aus der heraus sich immer mehr Menschen aus dem zunehmend dichter besiedelten Osten der Vereinigten Staaten nach Westen aufmachten, darunter eine große Zahl von Immigranten (Einwanderer) vor allem aus Europa − jedoch auch ursprünglich vorwiegend vom afrikanischen Kontinent stammende entflohene oder infolge des Sezessionskrieges formaljuristisch befreite ehemalige Sklaven aus den Südstaaten der Vereinigten Staaten (letzteres ein Sachverhalt, der in der späteren Trivialisierung des Wilden Westens nur sehr selten Berücksichtigung fand).

Die Motivation der Pioniere war von unterschiedlichen Gründen geprägt. Für die meisten war eine Ansiedlung in den Staaten des Ostens unerschwinglich. Im Westen gab es weite Landstriche, in denen sich die Siedler billiges Land erhofften (gesetzlich abgesichert durch den Homestead Act, das Heimstättengesetz von 1862), um sich mit landwirtschaftlicher Arbeit als Farmer (Ackerbauern) oder Rancher 

(Viehzüchter mit Weidewirtschaft) niederzulassen. Wieder andere suchten den schnellen Reichtum in der Hoffnung, Edelmetalle wie Gold, Silber oder andere Bodenschätze zu finden. Als 1848 in der Nähe von San Francisco Gold gefunden wurde, löste dies mit dem Kalifornischen Goldrausch  das bis dahin größte „ Goldfieber“ in der Geschichte der Vereinigten Staaten aus, das die Trecks nach Westen deutlich anschwellen ließ. Die neue Religionsgemeinschaft der Mormonen ließ sich ab 1846 im heutigen Utah nieder, um ungestört nach ihrem Glauben leben zu können.

Die Eroberung des Westens der Vereinigten Staaten war zunächst stark geprägt durch die gewaltsame Zurückdrängung der einheimischen Bevölkerung, der Indianer, und eine entsprechende Unterwerfungs- und teilweise Ausrottungspolitik ihnen gegenüber. Damit einhergehend und auch danach spielte die infrastrukturelle Erschließung des Landes eine wichtige Rolle; u. a. beispielsweise durch das Post - und Transportwesen − in den 1860er Jahren geprägt durch die Postkutschenlinien der Wells-Fargo Company und den Pony - Express −, nach dem transkontinentalen Eisenbahnbau und der Errichtung von Telegrafenleitungen zunehmend abgelöst durch schnellere, günstigere und sicherere Entwicklungen im Überlandverkehr und der Informationsübermittlung.

Durch die Weite des Landes wurde vor allem in den fruchtbaren Ebenen der Prerie, wo die Region der Großen Ebenen in den  Mittleren Westen übergeht, neben dem Getreideanbau die breit angelegte Viehzucht in großen Landstrichen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Mit ihm einhergehend erlangte der Beruf des Cowboys den Rang, der ihn zu einem zentralen Sinnbild des Wilden Westens werden ließ. Jedoch nahm auch die Bedeutung dieses Berufes ab Mitte der 1870er Jahre ab, nachdem – bedingt durch die Ausdehnung der Eisenbahnlinien und die Verbreitung des Stacheldrahtzauns – zum einen die langen Viehtriebe zu den Fleischmärkten zurückgingen, zum anderen das Zusammenhalten der Rinderherden durch die Möglichkeit effektiverer Einzäunung eine rapide Rationalisierung in der Viehhaltung und entsprechend einen sozialen Abstieg des Cowboyberufs zur Folge hatte. Die Arbeitslosigkeit vormaliger Cowboys zeichnete bei nicht wenigen von ihnen den Weg in die Gesetzlosigkeit vor, die sich in der relativen Verbreitung von Banditenbanden – vor allem in den 1870er und 1880er Jahren – ausdrückte. Auch das Aufgebot an Cowboys bei verschiedenen sogenannten Weidekriegen dieser Zeit, bei denen es vor allem um die Aufteilung des Landes ging, trug zu einer entsprechenden Legendenbildung um diesen Beruf bei – so unter anderem beispielsweise beim Lincoln - County Rinderkrieg des Jahres 1878.

Insbesondere nach dem Ende des Sezessionskrieges zwischen den Nord- und Südstaaten (1861–1865) suchten auch viele durch den Krieg gescheiterte, teilweise verrohte Menschen einen neuen Anfang im Westen. Glücksritter und Abenteurer fanden in den relativ unerschlossenen Gebieten der Vereinigten Staaten oft einen gesetzlichen Freiraum vor, der es begünstigte, dass sich in manchen Landstrichen ein ausgeprägtes Banditenwesens entwickelte.

Legendenumwobene Namen wie Frank und Jesse James, die sich durch Bank- und Eisenbahnüberfälle einen berühmt-berüchtigten Ruf erwarben, oder „Billy the Kid" verweisen ebenso auf die weit verbreitete Gesetzlosigkeit im Wilden Westen, wie es die Namen ihrer Gegenspieler tun; die teilweise korrupten  Gesetzeshüter – Sheriffs  oder alls US Marshals –, die oft selbst als sogenannte Revolverhelden in der Grauzone zwischen Gesetz und Verbrechen agierten, so beispielsweise Pat Garrett, Wyatt Earp, Wild Bill Hickok u. a.

Die vorgenannten im Einzelnen teils von Hollywood-Filmen geprägten Vorstellungen vom vermeintlich „wilden“ und „gesetzlosen“ Leben sind durch jüngere Forschungen relativiert worden. So rückten sie die Veränderung der Indianerpolitik stärker in den Mittelpunkt. Mit dem Homestead Act von 1862, das praktisch alles Indianerland an Siedler gab, hatte sich die Regierung mehr und mehr von der bis dahin von Verhandlungen und Verträgen geprägten Politik gegenüber den Prärieindianern abgewandt. Die gewaltig angewachsene Armee wurde nach dem Sezessionskrieg zunehmend eingesetzt, um die Landinteressen der großen Eisenbahngesellschaften durchzusetzen, die wiederum gute Beziehungen zur Regierung hatten. Auf Seiten dieser Allianz, die die Indianer von ihrem Land verdrängen wollte, fanden sich Goldsucher, Bauern, Viehzüchter in einem Klima steter Gewaltbereitschaft. Ausgangspunkt war demnach nicht die Abwesenheit eines staatlichen Gewaltmonopols, sondern seine Durchsetzung mit militärischer Gewalt.

Quelle: Wikipedia